Period Poverty: Warum dieser Begriff in aller Munde sein sollte.

Tampons und Binden wachsen nicht auf Bäumen. Ist so.

Während sich eine Frau in Deutschland im Supermarkt um die Ecke mal schnell eine neue Monatspackung Monatsprodukte kauft (wer hat mich nur mit so viel Wortwitz gesegnet?), ist der Zugang zu Monatshygiene in anderen Ländern leider weitaus eingeschränkter.

Das hat Folgen. Klar, denn wer kann schon frohen Mutes in die Schule oder Arbeit gehen während einen das Bewusstsein plagt, gerade im wahrsten Sinne des Wortes auszulaufen? „Free Bleeding“ ist auf gesellschaftlicher Ebene nicht gerne gesehen.

Als ich selbst mal einige Monate lang in Tansania bei einem katholischen Priester und seinen Angestellten (alle weiblich und so alt wie ich) lebte und aus einer vorhersehbaren Unaufhaltsamkeit meine Tage bekam, musste ich stundenlang durch die vertrocknete Wüste in die nächstgrößere Stadt fahren – nur um Tampons zu kaufen! (Hätte fast den priesterlichen Autositz vollgeblutet. Jesus Christ, was ein Drama.)

Wie sich die anderen Mädchen und Frauen, mit denen ich in der Savanne ohne Strom und fließendes Wasser in einer Wellblechhütte wohnte, einmal im Monat behelfen? Ohne Auto – geschweige denn den finanziellen Mitteln, sich die überteuerten Tampons aus dem klimatisierten Supermarkt für westliche Touristen zu leisten?

Die traurige Realität: In ärmeren Ländern benutzen viele Frauen während ihrer Periode statt Tampons und Binden alte Stoff- oder Papierfetzen, ausrangierte Lappen oder Blätter. Das muss nicht nur sau unpraktisch und unangenehm sein. Vor allem ist das Infektionsrisiko dadurch stark erhöht. Besonders in Gebieten, in denen der Zugang zu sauberem Wasser fehlt.

Laut einer aktuellen Studie von UNHCR gehen mehr als 40 Prozent der Mädchen in Nepal während ihrer Menstruation nicht in die Schule – aufgrund von fehlendem Zugang zu adäquater Monatshygiene.

Viele Mädchen in West- und Zentralafrika, Nepal, dem Iran, Indien und Teilen Südamerikas sind durch mangelhafte hygienische Zustände, fehlenden Zugang zu Monatshygiene sowie kulturellen Mythen ab dem ersten Tag ihrer Periode in ihren Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten eingeschränkt. Durch Fehltage mindern sich ihre Chancen auf einen Schulabschluss, sie laufen dadurch häufiger Gefahr, zwangsverheiratet oder ungewollt schwanger zu werden und geraten deutlich eher in finanzielle Abhängigkeit.

Aussagen von Plan International zufolge brechen 20 Prozent der Mädchen in Indien mit dem Beginn ihrer Menstruation die Schule ab. In Malawi verpassen 70 Prozent der Mädchen mindestens einen Tag Unterricht im Monat – nur aufgrund ihrer Menstruation.

Period Poverty betrifft nicht nur Entwicklungsländer – auch in Europa gehen viele Mädchen nicht in die Schule während ihrer Menstruation. Neben Schmerzen und Beschwerden vor allem auch aus Scham und weil Tampons eben leider nicht auf Bäumen wachsen.

Plan International stellte fest, dass sich eines von zehn Mädchen in Großbritannien keine Monatsprodukte leisten kann.

Wenn man keinen Zugang zu Tampons, Binden, Menstruationstassen, oder -schwämmen hat, bleiben drei Möglichkeiten: 1. Man behilft sich mit einem Stofffetzen und läuft Gefahr, sich eine fiese Infektion zuzufügen (was sogar zur Unfruchtbarkeit führen kann). 2. Man lässt einfach laufen, blutet alle Klamotten, Bussitze und Klassenzimmerstühle voll und wird zum Gespött der Schule. 3. Man geht nicht in die Schule.

Also. Lasst uns fair sein. Wenn Frauen schon einmal im Monat bluten müssen – häufig unter starken Beschwerden – sollten sie zumindest alle uneingeschränkten Zugang zu der von ihnen als passend empfundenen Monatshygiene haben.

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